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Forum - "In deiner Schuld"
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Löwenjunges (733 Posts bisher) |
Ich schreibe gerne Geschichten und veröffentliche sie auch. Würde mich deshalb über Kommentare und Rückmeldungen freuen ![]() | |||
Löwenjunges (733 Posts bisher) |
Zwei Wochen vor den Sommerferien hatte ich mich noch immer in kein Projekt eingewählt. "Die Pause ist gleich zu Ende. Beeil dich!" Konzentriert starrte ich auf den hellen Bildschirm vor mir und scrollte die Themenliste hinunter. "Nimm doch einfach das." Luka tippte auf eines der Projektthemen. Ich las die Überschrift. "Kampfsport?" Ich klickte mit der Maus darauf und ein Informationsfeld erschien. "Wer ist Herr Vheynes?" "Irgendein Lehrer." "Das weiß ich auch. Aber ist er nicht eigentlich Mathelehrer?" "Woher soll ich das wissen?" Luka lehnte sich in seinem Stuhl zurück und raufte sich die Haare. "In zwei Minuten klingelt es, Mann." Ich kreiste mit der Maus um den "Wählen"-Button. "Sport liegt mir jetzt aber nicht so..." Ich war tatsächlich ziemlich pummelig, vor allem für mein Alter, womit ich gar nicht zufrieden war. Doch niemand ist perfekt, das sagte zumindest meine Mutter immer zu mir. "Ist doch egal. Jetzt mach endlich!" Luka rüttelte an meinen Schultern. Die Schulglocke ertönte. Hektisch klickte ich auf den Button und fuhr den Computer runter. Luka stand schon in der Tür des Computerraums. "Wenn wir wegen dir jetzt 'ne Strafarbeit bekommen..." "Werden wir schon nicht." Ich packte meine Sachen zusammen und lief zu ihm. Luka hetzte die Treppen zu den oberen Stockwerken hinauf und ich keuchte ihm hinterher. Die Strafarbeit bekamen wir trotz unserer Erklärung, dass wir noch ein Projekt auswählen mussten. Missmutig lief ich meinen Schulweg nach Hause. Luka war nicht sehr erfreut gewesen und ich hatte ihm seinen Ärger ansehen können. Doch er ließ ihn nicht an mir aus. Wir waren Freunde und verstanden uns wirklich gut, musste ich zugeben. Ich sah auf die Uhr. In einer Stunde sollte ich zu Hause sein. Ich hatte noch zu tun, vor allem dienstags bekamen wir unglaublich viele Hausaufgaben auf. Ich bog in einen schmalen Waldweg ein. Die Luft hier war kühl und die Atmosphäre sehr angenehm. Doch ich vernahm Schritte hinter mir. Verdammt. Ich drehte leicht den Kopf und schielte in die Richtung, aus der sie kamen. Aus den Augenwinkeln sah ich einen näherkommenden Schatten. Gleich darauf schon wurde ich rücklings an der Schultasche gepackt und nach hinten gezerrt. Instinktiv ließ ich meine Arme durch die Schlaufen des Ranzens gleiten. Er fiel in den Dreck und ich rannte in den Wald hinein. Doch... Was sagte ich noch? Ich war weder sportlich, noch dazu in der Lage, plötzlich ungewöhnliche Kräfte zu entwickeln, wie eine ausdauernde Schnelligkeit, zum Beispiel, die ich gerade dringend nötig hatte. Eine Hand legte sich auf meinen Kopf, griff zu und ich wurde durch den plötzlichen Stopp ruckartig nach hinten geworfen. Ich prallte hart am Boden auf. Ein stechender Schmerz krallte sich in meinen Rücken. "Hey, Siver." Drei Jungen waren es. Einer beugte sich zu mir hinab und presste mir sein Knie auf die Brust, nagelte mich am Boden fest. "Hast wohl gedacht, du könntest uns davonlaufen." Gelächter. "Lasst mich in Ruhe!" Ich versuchte, das Knie von mir zu schieben. "Der Kleine hat Nerven." Das Knie löste sich, ich konnte wieder atmen. Sie zerrten mich auf die Füße und packten meine Arme auf den Rücken. Einer von ihnen hatte anscheinend Klebeband mitgebracht, denn gleich darauf hatten sie mir die Hände bewegungslos gefesselt. Ich riss die Augen auf und wand mich in dem Griff zwei der Jungen. Es waren die aus der Klasse über mir, erkannte ich. Doch was brachte mir das? Ich würde sie nicht verpetzen, sie wussten das und nutzten es aus. Sie nahmen mich mit. Fest am Arm gepackt, stolperte ich ihnen nach. Zum See. Sie wollten zum See! Ich presste die Lippen aufeinander, um nicht zu schreien. Sie lachten, stießen sich freundschaftlich die Ellbogen in die Rippen und rissen Witze darüber, was sie mit mir anstellen könnten. Ich hörte nur stumm zu und lief mit. Am Ufer des Sees blieben sie stehen. Ich stemmte die Beine in den Boden. "Bitte... Tut das nicht. Wie soll ich denn schwimmen?" "Das wirst du schon schaffen. Heißt es nicht, Fett schwimmt gut?" Sie schubsten mich einen Steg entlang, der in die Mitte des Sees führte. "Lasst mich in Ruhe..." "Was hast du gesagt, Siver? Ich glaub, ich hab dich nicht verstanden!" Sie lachten. "Ihr sollt mich in Ruhe lassen!!", brüllte ich. Die Jungen sahen sich verstohlen um und packten mich dann fest an den Armen. "Halt die Fresse!", zischte einer. Ich schüttelte den Kopf und sah ihn trotzig an. Der Schlag in den Magen kam unerwartet und ich schrie schmerzerfüllt auf. Es warf mich nach hinten. Die Dielen des Stegs knarzten bedrohlich. Ein Ratschen ertönte, Klebeband wurde mir auf den Mund gedrückt. Es klebte gut, ich konnte nichts mehr sagen, nur noch hektisch durch die Nase ein- und ausatmen. Dann stießen sie mich ins Wasser. Es war eiskalt und raubte mir für einen Moment jegliche Sinne. Schwärze legte sich auf meine Sicht. Die Kälte stach mir ins Gehirn. Ich riss die Augen auf, zerrte an den Fesseln meiner Hände. Und sank tiefer. Das Licht an der Wasseroberfläche wurde schwächer. Die Schemen der Jungen wurden unruhig. Wie auf Kommando verschwanden sie plötzlich, rannten fort, ließen mich allein. Ich strampelte mit den Beinen. Nur langsam kam die Helligkeit wieder näher. Die Luft wurde mir knapp. Meine Lungen schmerzten und Wasser drang mir in die Nase. Ich war noch nie ein guter Schwimmer gewesen. | |||
Leopardenherz (163 Posts bisher) |
Wann kommt die fortsetzung ![]() Ist mega cool geworde ![]() ![]() ![]() | |||
Löwenjunges (733 Posts bisher) |
Danke. Ich stell sie gleich rein^^ | |||
Löwenjunges (733 Posts bisher) |
Da schlug direkt neben mir etwas im Wasser ein. Oder besser gesagt, jemand. Luka packte mich unter den Achseln und zerrte mich an die Oberfläche. Ich wollte nach Luft schnappen, doch das Klebeband verhinderte, dass ich den Mund öffnen konnte. Das Wasser in meiner Nase rann mir in den Hals. Ich musste husten, konnte nicht. Rotz und Tränen liefen mir übers Gesicht. Luka schleppte mich bis ans Ufer, riss mir das Klebeband vom Gesicht. Es brannte höllisch. Ich beugte mich vornüber, erbrach einen Schwall Wasser und blieb dann keuchend sitzen, während Luka mir die Fesseln löste. Anschließend saßen wir da, schweigend, nachdenklich. Er geschockt, ich verwirrt. "Wer waren diese Typen?", durchbrach er die Stille. "Sie sind aus der Klasse über uns." "Was wollten die? Siver... Wir müssen sie anzeigen!" "Nein!! Ich meine... Nein. Das geht nicht." "Wie bitte? Was? Die haben dich fast umgebracht!" "Aber nur fast." "Das ist kein Argument." "Hör mal zu, Luk. Es geht nicht. Okay? Bitte... Versteh das." "Erklär es mir." "Nein. Ich muss..." "Ich dachte, wir wären Freunde", sagte er leise. "Jetzt komm mir bloß nicht damit!!" Ich hustete. "Du hast mir gerade das Leben gerettet..." "Wechsel nicht das Thema." "Es geht um meine Mum, okay!? Deren Eltern sind die Arbeitgeber und Vorgesetzten meiner Mutter!" Luka schwieg. Dann nickte er langsam. "Oh." Erneut breitete sich Schweigen aus. Diesmal war ich es, der es brach. "Sag mal, woher wusstest du eigentlich... ähm... wo ich war?" Luka überlegte kurz, bevor er antwortete. "Ich musste dir noch was sagen... Also wollte ich dich auf deinem Schulweg einholen. Dann fand ich den Ranzen und alles Weitere kannst du dir sicher denken." Ich nickte. "Was musstest du mir denn sagen?" "Ich wollte dich zu meinem Geburtstag einladen. Ich weiß, ist jetzt nicht gerade wichtig, aber..." Ich verstand und nickte erneut. Langsam lief ich nach Hause. Luka hatte mir meine Schultasche gebracht, ehe er sich selbst auf den Weg machte. Mein Herz raste noch immer. Ich zitterte, ob vor Kälte oder Angst, war irrelevant. Immer wieder blickte ich mich um. Würden sie zurückkommen? Luka hatte mir angeboten, mich zu begleiten, doch ich hatte verneint, wollte nicht als Memme dastehen. Nicht vor ihm. Er war mein einziger Freund. Es wurde schon dunkel, als ich endlich an meinem Ziel ankam. Ein Haus, das mehr einem großen Betonblock glich, ragte vor mir auf. Ich holte einen kleinen Schlüsselbund aus meiner Tasche und öffnete die Tür. Es war stickig und feucht im Innern und roch nach Schimmel. Im Dunkeln tastete ich mich an der Wand entlang bis zu einer schmalen Treppe, die ins Obergeschoss führte. Angekommen im zweiten Stock ließ ich meinen Blick den Flur entlangwandern. Drei Wohnungen lagen hier dicht beieinander, im Erdgeschoss Zwei. Unter einer der Türen schien Licht unter dem Türspalt hervor. Verflucht. Mama ist daheim. Ich steckte einen der Schlüssel ins Schloss und drehte ihn vorsichtig um, bevor ich leise die Tür öffnete. Ich verschwand im Badezimmer, bevor sie mich aufhalten konnte. "Siver?" Sie klopfte gegen die Tür. Ich antwortete nicht. Mir fiel nichts ein, nichts, das mir als Ausrede gut gedient hätte. Sie klopfte noch einmal, etwas fester, dann ließ sie mich allein. Das schlechte Gewissen nagte an mir und ich sank auf den weiß gefliesten Boden. Die nassen Klamotten klebten mir am Körper, doch gerade fehlte mir jegliche Kraft dazu, sie zu wechseln. Ein Schluchzen schüttelte meinen Körper, ließ meine Schultern beben. Ich schlug mit der Faust gegen die Wand. Der Schmerz pochte in meinen Knöcheln und ich verstummte. Ich erhob mich schwerfällig, starrte mich im Spiegel über dem Waschbecken an, auf das verheulte Gesicht des fetten unbeliebten Jungen, der ich war. Genervt fuhr ich mir durch die unnatürlich weißblonden Haare, von denen manche glaubten, ich hätte sie gefärbt. Mein Gesicht war ebenfalls blass, nur meine Augenbrauen und Wimpern fielen dunkel aus. "Du bist ein richtig hübscher Junge", sagte meine Mutter ab und zu, worauf ich schwieg. Vielleicht wäre ich das sogar, wenn nur mein Gewicht nicht alles zunichte machen würde. Ich hatte mich gewaschen und umgezogen, als ich zu meiner Mutter in die Küche trat. Sie saß an dem kleinen Esstisch für zwei Personen, den Kopf in die Hände gestützt, die Augen geschlossen. Über ihr brannte die Deckenlampe und tauchte den Raum in künstliches Licht. Ich blieb unschlüssig im Türrahmen stehen. Langsam schaute sie auf, lächelte, als sie mich sah, doch ihre Augen waren trüb. Sie trug eine schlichte, weiße Bluse, bei der nach genauerem Hinsehen der oberste Knopf fehlte. Ich trat von einem Bein aufs andere. "Mama... Ich..." Sie machte eine wegwerfende Handbewegung und deutete dann auf den freien zweiten Stuhl. Ich setzte mich langsam. "Ich hab mir Sorgen gemacht", begann sie das Gespräch. "Ich weiß", murmelte ich. "Es tut mir leid." "Davon will ich nichts hören." Ich senkte den Blick auf meine Hände. "Ich... war bei Luka." Sie musterte mich, wachsam, prüfend. Ich knetete nervös die Tischkante. "Was ist mit deinen Haaren?" Ich stockte. Ich hatte sie nur kurz mit einem Handtuch bearbeitet, an einigen Stellen waren sie noch feucht. Ich hatte gehofft, sie würde es nicht bemerken; ich hatte mich geirrt. "Es hat geregnet..." Ich war kein guter Lügner, bin es noch nie gewesen. Sie durchschaute mich sofort. "Was ist passiert?" Sie fasste mich unter dem Kinn, drehte meinen Kopf, so dass ich ihr in die Augen sehen musste. Ihre Augen, in einem strahlenden Blau, genau wie meine. "Siver." "Es war nichts", murmelte ich. Sie wusste von den Jungen aus der Klasse über mir. Wusste, dass sie mich ärgerten, wie ich es ihr weismachte. Das hatte sie durch die abendlichen Gespräche aus mir herausquetschen können. Ich erzählte ihr verharmloste Varianten dessen, was geschehen war. Sie sollte sich nicht aufregen, sollte glauben, das ich alles unter Kontrolle hatte. "Sie haben mir einen Eimer voll Wasser übergegossen." Der Druck an meinem Kinn verstärkte sich. "Ein einfacher Jungenstreich", sagte ich. "Im Nachhinein haben wir alle gelacht." Ich grinste gezwungen. Sie lehnte sich zurück. Ich tat es ihr gleich. "Ein einfacher Jungenstreich also." Sie lächelte, wischte sich mit dem Handballen über die Augen, und ich wusste, dass sie enttäuscht war. Enttäuscht von meinen Lügen. Ich stand auf, hielt den Blick gesenkt und begann, das Abendessen vorzubereiten. |
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