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Forum - "In deiner Schuld"
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Wirbeljunges (Gast) |
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Blütenregen (253 Posts bisher) |
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Löwenjunges (733 Posts bisher) |
Er kam wie aus dem Nichts. Schnell, lautlos, wie ein Schatten. Trug einen langen, schwarzen Mantel mit Kapuze. Einer der Jungen schrie auf, lag am Boden und hielt sich mit das Knie. Zwei weitere fielen kurz danach. Einer von ihnen hatte sich stöhnend die Hand auf den Kopf gelegt, er musste ihn am Boden angeschlagen haben. Rico blickte entsetzt auf seine Freunde. Ein kurzes Zischen und seine Beine knickten ein. Er fluchte laut, stand auf, fuhr herum und fixierte mich. "Du wirst bezahlen, Fettsack!!", brüllte er und verließ eilig die Einfahrt. Zwei der anderen hatten sich wieder erholt und folgten ihm stolpernd. Der Rest hatte schon zuvor die Flucht ergriffen. Der Mann trat aus dem Schatten. Die Kapuze legte sein Gesicht in Dunkelheit und machte ihn unkenntlich. Aus seiner rechten Hand hing ein langes, dünnes Seil aus Leder. Ich drückte mich an die Hauswand mit weit aufgerissenen Augen und starrte die Person an, die hoch über mir aufragte. Regungslos stand sie da. Ich blinzelte leicht, versuchte, mich zu beruhigen. Erstaunlicherweise klappte es. Ich reckte das Kinn und holte tief Luft. Seine linke Hand hob sich und ließ mich verstummen, noch bevor ich etwas sagen konnte. Dann drehte er sich um. Verließ die Gasse. Ich stolperte nach vorn, merkte erst jetzt, dass meine Nägel noch immer in meine Handballen stachen. Ich betrachtete die tiefen Halbmonde, ehe ich dem Mann in Schwarz folgte. Was tust du? Er könnte gefährlich sein! Und wieder verlor die Vernunft den Kampf gegen mein Gefühl und ich schloss mich dem Fremden an. Er lief schnell und mit lautlosen Schritten die Straßen entlang. Ich musste fast joggen, um mit ihm mithalten zu können und das setzte an meine Kräfte. Ich fiel zurück, er merkte es und blieb stehen. Wir waren am Stadtrand angekommen. Vor uns lag ein großes Feld. Ich stützte die Hände auf die Knie und atmete tief durch. Als ich aufsah, stand der Mann noch immer mit dem Rücken zu mir. Er hatte sich die Kapuze vom Kopf gezogen und wandte sich nun langsam um. Ich schnappte nach Luft. Es war Herr Vheynes. Ich wusste nichts zu sagen, starrte ihn nur an. "Siver." Er nickte mir zu. Ich atmete geräuschvoll aus. Ein Hauch von einem Lächeln umspielte seine Mundwinkel. Mit einer kaum wahrnehmbaren Handbewegung forderte er mich auf, ihm zu folgen. Und ich tat es. "Du benötigst Training, Kleiner." "Training?" Ich lief neben ihm her. Das große Feld, an dem wir entlang gingen, endete, und der Weg führte in einen angrenzenden Wald. Stille umfing mich und das Einzige, das sie durchbrach, waren meine eigenen Schritte. "Wohin gehen wir?", fragte ich, als er nicht antwortete. Meiner Frage folgte Schweigen und ich beschloss, ebenfalls den Mund zu halten und dem Mann, der mich noch vor wenigen Minuten gerettet hatte, Vertrauen zu schenken. Das Viertel, an dessen Rande ich wohnte, lag nur wenige Straßen weiter. Der Weg durch den Wald hatte uns direkt hierher gebracht. Herr Vheynes blieb stehen, ich ebenso. "Woher wissen Sie, wo ich wohne?" "Es gibt viele Dinge, warum es nützlich ist, Lehrer zu sein." Ich verstand die Antwort nicht, doch er fuhr schon fort. "Deinem Freund Luka geht es gut. Er ist sicher zu Hause angekommen. Was dich betrifft... Du solltest zu deiner Mutter. Sie macht sich bestimmt schon Sorgen." Ich öffnete den Mund. Woher weiß er das? Was weiß er noch? Doch er ließ mich nicht sprechen. "Ich weiß gut über deine Probleme Bescheid. Vor allem nach dem heutigen Tag." Er fasste in seine Manteltasche und zog ein kleines Kärtchen heraus. "Du findest mich hier." Ich nahm die Karte und las den Namen. Emanuel Vheynes Wesperstraße 34 Das lag am anderen Ende der Großstadt. Verdutzt schaute ich auf. Emanuel Vheynes war fort. | |||
Wirbeljunges (712 Posts bisher) |
Coooolllll | |||
Löwenjunges (733 Posts bisher) |
Lange konnte ich nicht einschlafen. Der Mond schien hell durch das Fenster in mein Zimmer, was mich nicht weiter störte, meine Umgebung jedoch in silbriges Licht tauchte. Ich stand auf, lief auf und ab. Es war schon nach Mitternacht, doch ich war nicht müde. Das gestrige Ereignis ging mir nicht aus dem Kopf. Ich musste mich vor diesen Typen auf jeden Fall hüten. Herr Vheynes konnte mir nicht jedes Mal zur Hilfe kommen. Emanuel Vheynes... Ich konnte noch immer nicht fassen, wie er mich gerettet hatte. War das eine Peitsche!? Ich fuhr mir mit der Hand durch die Haare. Selbst seine Kleidung war seltsam gewesen. Sein Auftreten... "Du benötigst Training"... Ich nahm die kleine Karte, die ich am Abend auf meinen Schreibtisch gelegt hatte und betrachtete den Namen und die Adresse des Lehrers. Er will, dass ich zu ihm komme... Ich biss mir auf die Lippe. Das wäre ja noch schöner. Als ich gestern am Abend endlich zu Hause angekommen bin, hatte Mama schon an der Tür gestanden. Sie hatte müde gewirkt, noch erschöpfter als sonst. Sie hatte sich Sorgen gemacht, wollte die Polizei rufen. Jegliche Entschuldigungen meinerseits brachten sie nicht zur Ruhe, denn meine Ausreden kamen nicht an; sie glaubte mir nicht. Ein leises Klopfen; gleich darauf kam Mama ins Zimmer. Ich wunderte mich, dass sie noch nicht schlief. Sie musste morgen früh raus. "Siver?" Ich hob den Kopf, schaute sie direkt an. Sie trat zu mir, wirkte irgendwie unschlüssig. "Können wir uns setzen?" Ich nickte und setzte mich auf mein Bett; sie sich auf den Schreibtischstuhl gegenüber. "Ich möchte nicht mehr, dass du allein da draußen umherstreifst. Es ist gefährlich. Das weißt du." Allein? Nie war ich allein... Doch ich sprach meine Gedanken nicht aus. Natürlich nicht. "Die Kriminalitätsrate... Sie zeigt in dieser Stadt die höchsten Werte im ganzen Land." Sie seufzte resigniert. "Ich meine es vollkommen ernst. Ich möchte, dass du pünktlich nach Hause kommst." Sie stützte den Kopf in die Hände und rieb sich das Gesicht. "Es hätte, wer weiß was, alles passieren können... Wenn du... Wenn du nicht mehr nach Hause gekommen wärst... Ich..." Ich spürte ihre aufkommende Verzweiflung wie eine Wolke aus Nebel, die uns gemeinsam verschluckte. Fieberhaft suchte ich nach Worten. Worte, die sie hätten beruhigen, die sie hätten trösten können. Doch ich spürte nichts als Leere. Ein tiefes, nagendes Gefühl der Machtlosigkeit. Stille. Eine Art von Stille, die ich liebte. Nie war es tatsächlich still, hier, in den Wäldern außerhalb der Stadt. Doch es war, wie man es nach dem Treiben und dem unstillbaren Hunger nach Bewegung zwischen den Hochhäusern und auf den Straßen, beschreiben konnte, die Natur, die mich durch ihre Lautlosigkeit faszinierte. Ich setzte mich auf einer abgelegenen Lichtung zwischen mehrere große, felsenähnliche Steine, die aus der Erde ragten und an einigen Stellen mit Moos und Farnen bewachsen waren. Gerade jetzt, wenn es Ferien gab, hatte ich viel Zeit, hier zu sitzen und meinen Gedanken nachzugehen. Das Zeugnis war gut ausgefallen. Ich war zufrieden damit, und das stimmte mich froh. Ich holte einen Stift und einen kleinen Notizblock aus meiner Hosentasche und begann zu zeichnen. Das war eines meiner liebsten Hobbys und es hatte nichts mit Sport zu tun. Unvermittelt wanderten meine Gedanken zurück zu Herrn Vheynes. Deutlich spürte ich die Karte zwischen den Seiten meines Notizblocks. Ich hatte sie immer dabei. Sie erschien mir auf eigenartige Weise ungeheuer wichtig. Ich zeichnete den Kopf, danach den Körper, den langen schwarzen Mantel mit der Kapuze. Deutlich hatte ich den Mann in Schwarz vor Augen und ebenso deutlich brachte ich ihn auf Papier. Ich betrachtete mein Werk und nickte leicht. So schnell würde ich diesen Anblick nicht vergessen. Gelächter erklang in der Ferne. Ich schlug die Augen auf, musste eingeschlafen sein. Langsam erhob ich mich und ließ meinen Blick zwischen den Baumreihen hindurch gleiten. Gerade weit genug entfernt, dass ich sie noch erkennen konnte, kamen mehrere Gestalten in meine Richtung gelaufen. Ich kniff die Augen zusammen und beobachtete, wie sie näher kamen. Vage huschte Erkennen durch meine Gedanken und ich kletterte auf die Felsen, um mir einen besseren Überblick zu verschaffen. Da geriet Bewegung in die kleine Gruppe. Sie hoben die Arme, zeigten auf mich, brüllten und lachten. Ich saß wie vereist. Es waren Rico und einige andere bekannte und weniger bekannte Jungen. Kalt lief es mir den Rücken herunter. Mehr rutschend kletterte ich den Felsen hinab und machte, dass ich fortkam. Herr Vheynes wird dich hier nicht retten können. Ich rannte, so schnell ich konnte. Meine Lunge zerriss förmlich unter der Anstrengung, doch nie wieder wollte ich in die Fänge dieser Typen geraten. Nie wieder, wollte ich von irgendjemanden erniedrigt und drangsaliert werden. Nie wieder. Und ich fasste einen Entschluss. |
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