Frostkaterclan
Ein Clan. Ein Schicksal.

Forum

=> Noch nicht angemeldet?





Ein Clan. Ein Schicksal.
Erfülle deine Bestimmung!




Forum - "In deiner Schuld"

Du befindest dich hier:
Forum => Kreativ Ecke => "In deiner Schuld"
<- Zurück  1  2  3  4  5  6 Weiter -> 

Wirbeljunges
(712 Posts bisher)
24.07.2017 17:26 (UTC)[zitieren]
Coooooooollllll schreib weiter
Löwenjunges
(733 Posts bisher)
25.07.2017 18:02 (UTC)[zitieren]
Die zwei Stunden Fahrt mit dem Zug hatten mich mein gesamtes Taschengeld gekostet. Ich unterdrückte meine Schuldgefühle und die Gedanken an die Frage, wie ich wieder nach Hause kommen sollte und begutachtete weiter den großen Plan dieses Stadtteils. Wesperstraße...? Ich fand sie wenige Kilometer vom Bahnhof entfernt und machte mich auf den Weg.

Je weiter ich lief, desto größer wurden die Häuser. Hohe Bauten säumten die mehrspurige Straße, auf der die Autos in rasender Geschwindigkeit vorüberbrausten. Ich beeilte mich, mein Ziel zu erreichen. Forkstraße... Relingsstraße... Ich blieb stehen und rief den Straßenplan nochmal ins Gedächtnis. Ich konnte mir wahrlich gut Dinge merken, vor allem solche, die ich mit den Augen wahrgenommen hatte. Dann also links. Ich verließ die Relingsstraße und bog schließlich in die Wesperstraße ein. Hausnummer 11... 13... 15... Langsam passierte ich die große Straße und suchte die Häuser nach Nummern ab. 33... Ich blickte auf die gegenüberliegende Seite. Hinter einem weitläufigen Garten ragte ein altes, riesiges Gebäude auf. Ich trat an die Fahrbahn und wartete, bis der Strom an Fahrzeugen abebbte, bevor ich sie eilig überquerte. Ein lautes Hupen ließ mich zusammenfahren. Hinter mir quietschten Reifen. Ich wirbelte herum, sah den Fahrer wild gestikulieren und machte, dass ich auf den Bordstein kam. Schnaufend wischte ich mir über die Stirn.

Wesperstraße 34... Vor dem hohen, eisernen Tor des Hofes blieb ich stehen und spähte über den Rasen auf das Gebäude. Mein Blick glitt die steinerne Mauer hinauf. Das Haus war gigantisch. Ich holte die Karte aus meinem Notizblock, den ich immer in meiner Hosentasche bewahrte. Mehr ungläubig als bewundernd starrte ich auf die Adresse. Herr Vheynes soll hier wohnen!? Verärgert kickte ich einen Zigarettenstummel in einen kleinen Gulli knapp neben mir. "Als ob." Ein Passant war stehen geblieben und runzelte misstrauisch die Stirn. "Was lungerst du hier so rum, Bursche?" Ich schaute auf. Es war ein alter Mann mit grauen Haaren und Bart und wild buschigen Augenbrauen. In einer Hand hielt er eine Schutzbrille, in der anderen eine Heckenschere. Er musste Gärtner sein. Von diesem Anwesen? Einen Versuch war es wert. "Wissen Sie... ähm... Wohnt hier zufällig ein Emanuel Vheynes?" Der Alte verzog das Gesicht und tippte sich an die Stirn. "Bist du bekloppt, Junge? Was willst du bei dem?" Heißt das jetzt "Ja" oder "Nein"? "Er hat mich zu sich eingeladen", murmelte ich ein wenig eingeschüchtert. "Wer's glaubt." Er stieß ein kurzes, kehliges Lachen aus. "Ich arbeite schon seit zwanzig Jahren bei dem Herrn und hab ihn vielleicht zwei Mal zu Gesicht bekommen!" Jetzt war ich es, der verwundert drein blickte. "Aber er ist doch Lehrer..." "Bitte was?" Der Mann winkte ab. "Du solltest aus der Sonne, Kind." Er drehte sich um und hantierte an dem großen Schloss des Tores, das den Hof vor ungebetenen Gästen schützte. "Warten Sie!" Ich kramte in meiner Hosentasche und hielt inne, als der Alte sich etwas genervt zu mir umdrehte. Nein... Das Bild kann ich ihm sicher nicht zeigen... Stattdessen zog ich die Karte aus meinem Block und streckte sie dem Mann entgegen. "Er hat mir das gegeben." Er trat wieder näher zu mir und nahm die Karte. Erst jetzt merkte ich, dass er humpelte. Aus der Innentasche seiner Weste zog der Alte eine Brille mit runden Gläsern, die er sich aufsetzte. Während er die Aufschrift las, trat ich nervös von einem Fuß auf den anderen. Was, wenn das alles nur ein Scherz war? Manche Leute, selbst Lehrer, erlaubten sich des Öfteren gerne mal einen Streich mit kleinen, fetten Jungen. Aber so viel... Mühe, nur für einen Streich? Ich wollte die Hoffnung gerade aufgeben, da stieß der Mann ein Murren aus, wandte sich ab und öffnete das Tor. "Folge mir."
Löwenjunges
(733 Posts bisher)
27.07.2017 16:13 (UTC)[zitieren]
Von Nahem wirkte das Haus noch gigantischer. Staunend und gleichzeitig voller Neugier ließ ich meinen Blick erst durch den Vorgarten und anschließend über das Gebäude schweifen. Der Alte läutete an einer einzelnen Klingel an der linken Seite des Türrahmens. Es dauerte nur kurz, gleich darauf öffnete eine Frau in mittlerem Alter mit krausem, schwarzem Haar und Sorgenfalten auf der Stirn die schwere Eichenholztür. Erst, als sie mich wiederholt ansprach, gab ich mir einen Ruck und betrat die geräumige Eingangshalle. Unzählige Porträts von Leuten in schicken Anzügen und strengen Gesichtern schmückten die Wände. Von der Decke hingen lampignonartige, gläserne Gefäße. Der Boden war mit Mamor ausgelegt und die Mauern mit blassen Malereien verziert. Mindestens ein Dutzend Türen waren ebenfalls darin eingelassen und am Ende der Halle führte eine breite, steinerne Treppe in das obere Stockwerk, von deren Balkons, die ringsherum in die Wände eingefasst waren, man sich einen guten Überblick schaffen konnte.

"Der Herr des Hauses wird sie gleich empfangen." Vollkommen perplex konnte ich der Frau nur zunicken, bevor sie hinter einer der Türen verschwand. Erst jetzt bemerkte ich, dass der alte Gärtner ebenfalls verschwunden war. Ich war allein. Die plötzliche Stille beunruhigte mich und ich knetete nervös meine Handflächen. Ein seltsames Gefühl ließ meinen Nacken kribbeln und reflexartig drehte ich mich um. Im ersten Stock auf dem Balkon über mir stand Herr Vheynes. Sprachlos blickte ich zu ihm hinauf. Er blinzelte mich an und für den Bruchteil einer Sekunde glaubte ich, ein Lächeln auf seinen Lippen gesehen zu haben.

Er setzte sich in Bewegung, schritt langsam Richtung Treppe. Schweigend sah ich zu, wie er die Stufen herabkam; seine Schritte hallten leise wider. Unten angekommen blieb er nicht stehen, sondern trat gleich vor mich, reichte mir die Hand. Ich ergriff sie; er drückte kurz zu. "Es freut mich, dich zu sehen. Du hast einem guten Tag gewählt." Er drehte sich schwungvoll um, stieg die Stufen wieder hoch. Ich wusste nichts anderes zu tun, als ihm zu folgen. "Weißt du, was dich erwartet, Siver?" Etwas überrumpelt von der Frage, brauchte ich einige Sekunden, bis ich antwortete: "Sie wollen mich trainieren, haben Sie gesagt." "Exakt. Und das werde ich." Er blickte über die Schulter zu mir; gerade so lange, um zu sagen: "Ich habe große Pläne mit dir, Kleiner."
Löwenjunges
(733 Posts bisher)
03.08.2017 14:54 (UTC)[zitieren]
Er hatte mich in sein Büro geleitet. Jedenfalls glaubte ich, dass es sich hierbei um sein Büro handelte. Wir saßen an einem Schreibtisch einander gegenüber. Von der Frau mit dem krausen Haar, die sich Frau Jenke nannte, hatte er uns zwei Tassen Tee bringen lassen. Sie musste wohl eine Art Dienstmädchen sein, eine von dem Personal des Hauses, ähnlich wie der alte Gärtner. Ich schlürfte an dem heißen Tee, während Herr Vheynes an einigen Papieren saß und schrieb. Schließlich er seinen Blick von dieser Arbeit, die er nun anscheinend verrichtet hatte, und setzte sich gerade auf. „So. Jetzt kommen wir zu dir.“ Er nippte an seinem Tee. „Du erhoffst dir also Hilfe von mir.“ „Sie haben mir Training angeboten“, verbesserte ich, obwohl wir beide wussten, dass er recht hatte. Er nickte knapp und nahm erneut einen Schluck. „Weiß deine Mutter davon?“ „Ich habe ihr erzählt, dass ich den Kampfsport als Hobby gerne weiter verfolgen möchte. Sie weiß, dass ich Sie besuchen komme.“ Das stimmte zwar nicht ganz, doch das musste Herr Vheynes ja nicht wissen. Mama hatte ich lediglich erzählt, dass ich zum Kampfsportunterricht gehe und ihre Zweifel deswegen konnte ich mit Argumenten, wie, dass es mir zu meiner eigenen Sicherheit wäre, einige Grundtechniken zu können, niederringen. „Sehr gut“, meinte er. Nach einer kurzen Pause sprach er weiter. „Alle nötigen Materialien - Kleidung, Werzeug, Sonstiges - wirst du von mir bekommen. Kosten erwarten dich keine. Training wird zwei Mal in der Woche stattfinden. Du hast Ferien, nicht wahr? Dann drei Mal in der Woche für drei Stunden jeweils.“ Leicht überfordert von den vielen Informationen fuhr ich mir durch die Haare. „Drei Mal in der Woche...“, murmelte ich. „Wo ist der Haken?“ Keine Kosten!? Zeit..., die ein Mann wie Herr Vheynes nur für mich erübrigt? Ich bedachte Herr Vheynes mit einem misstrauischen Blick. Er beugte sich vor und stützte die Ellbogen auf den Schreibtisch. Mit ruhigem Blick direkt in meine Augen, sagte er: „Ich helfe, wo ich kann, Siver. Und du steckst ziemlich oft in Schwierigkeiten, hab ich das Gefühl. Warum sollte ich dir eine Falle stellen? Ich habe lediglich vor, einem interessierten Schüler die Welt des Kampfsports zu zeigen.“ Er zeigte die Zähne und ich deutete ein Lächeln.

„Konzentrieren, Siver. Die Konzentration kommt von Innen. Von hier.“ Herr Vheynes tippte mir auf die Brust, während ich krampfhaft versuchte, Stellung zu halten. „Du brauchst auch nicht so eine Grimasse zu ziehen.“ Langsam umkreiste er mich. „Die Konzentration ist Teil deiner inneren Geistesstärke. Hast du einen starken Geist, Siver?“ Ich nickte. „Ich möchte es hören! Und... Schlag!!“ Ich tat einen Schritt nach vorn, kickte in die Höhe und stieß die Luft als kurzen Schrei aus meinen Lungen. „Das war schon gut. Doch es steckt noch mehr in die. Viel mehr!“ Er begutachtete prüfend meine Haltung. „Ein sicherer Stand ist wichtig. Vor allem im Kampf gegen mehrere Gegner solltest du dich nicht zu Fall bringen lassen.“ Er legte seine Hände auf meine Schultern und drückte mich tiefer in die Knie. Ich keuchte leise. Verdammt. Die Anspannung ließ meine Beine zittern. „Und... Zwei!!“ Ich kickte erneut. „Mehr Kraft!! Spüre das Adrenalin, Siver! Und... Drei!!“ Ich kickte, schrie. „Und... Vier!!“
So ging das immer weiter. Zu Anfang der Stunden hatten wir eine ganze Reihe Aufwärmübungen durchgenommen, ehe wir mit dem eigentlichen Training begannen. Schon jetzt war ich am Ende meiner sportlichen Fähigkeiten, doch Herr Vheynes trieb mich weiter an, ließ mein „Ich kann nicht mehr“ nicht gelten. Er hetzte ,mich von einer Hallenseite zur Gegenüberliegenden, in Form von Schlag-, Tritt- und Abwehrtechniken. Er zeigte keine Rücksicht darauf, dass ich, plump wie ich war, schon bald vollkommen schweißgebadet vor ihm stand. „Nicht das körperliche Können zählt, Kleiner. Es zählt das, was in dir steckt. Du musst es wollen. Willst du siegen? Willst du!?“ „Ja!“, rief ich. „Dann zeig nicht, was jeder sehen will; was jeder erwartet. Zeig sein wahres Können. Du kannst so viel mehr sein. Doch das erreichst du nur, wenn du durchhältst.“ „Was kann ich denn sein?“, fragte ich. „Was kann ich werden?“ „Sei nicht, wer du dir zu sein ersehnst oder wer, bei dem von vielen erhofft, erwartet oder darauf zu gesteuert wird, dass du einmal so bist oder wirst. Sei du selbst. Denn nur du selbst bist einzigartig. Und solltest du es noch nicht sein, dann werde es.“
Wirbeljunges (Gast)
13.08.2017 14:51 (UTC)[zitieren]

Antworten:

Dein Nickname:

 Schriftfarbe:

 Schriftgröße:
Tags schließen



Themen gesamt: 9426
Posts gesamt: 519410
Benutzer gesamt: 980
Derzeit Online (Registrierte Benutzer): Niemand crying smiley
 
Diese Webseite wurde kostenlos mit Homepage-Baukasten.de erstellt. Willst du auch eine eigene Webseite?
Gratis anmelden